WK Mix Pionier & Betreuer – Fachgebiet übergreifende Praxiserfahrungen

Seit nicht allzu langer Zeit ist es den Angehörigen des Zivilschutzes nicht mehr vorbehalten, nur in ihrem eigenen Fachgebiet zu agieren. Vor gut anderthalb Jahren kamen dem Dienstleiter Raffael Keller (Kp Kdt Betreu) und Gabriel Stolz (Kp Kdt Pi) die Idee auf, den Austausch unter den Mannschaften der unterschiedlichen Fachgebiete zu fördern. Grund dafür sind die immer höher werdenden Anforderungen an die Zivilschützer, auch ein Basiswissen ausserhalb des eigenen Fachgebietes vorzuweisen und womöglich Aufgaben übernehmen zu können. Daraus resultiert unter anderem dieser WK Mix, für den Pionier Zugführer und Betreuer Gruppenführer in Zusammenarbeit die Lektionen für die Pionier Soldaten erstellt haben.

Für die meisten Pioniere ist es der erste Kontakt mit Rollstühlen.

Während vier Tagen werden den Pionieren nicht nur Grundwissen dem Alltag der Betreuer vermittelt, sondern sie können ihre neu erworbenen Kenntnisse auch ausserhalb des geschützten Rahmens einer Zivilschutzanlage direkt in der Praxis in vier unterschiedlichen Altersheimen umsetzen. Gleichzeitig werden die Betreuer Gruppenführer gefordert, indem sie ihre Kenntnisse einer themenfremden Gruppe unterrichten müssen.

Ein Puzzle zu lösen ist schwieriger als man denkt, wenn man die Form nur auditiv mitgeteilt bekommt.

Die ersten beiden Tage verbringen die Zivilschützer in der Zivilschutzanlage Trimbach. Dort werden die Pioniere in jeweils 45 Minuten dauernden Lektionen in Theorie und Praxis unterrichtet. Dazu gehören unter anderem Kommunikation (Fragetechniken, aktives Zuhören), Rollstuhl- und Blindenführung, aber auch allgemeine Thematiken, die in dem Fachgebiet Betreuung anfallen. Dies sind beispielsweise das Erstellen einer Sammelstelle, Informationen über Notfalltreffpunkte oder auch Merkmale der Mobilisation. Eine besondere Erfahrung bot den Pionieren der Kontakt mit alltagsfremden Hilfsmitteln wie dem Rollstuhl oder Blindenstock. So meinte ein Pionier Soldat:

«Es ist sehr interessant, sich in diese Situation begeben zu können. Selbst wenn der Rollstuhl für den Moment bequem ist, fühlt man sich schon sehr unselbstständig und fremdbestimmt.»

Diese praktische Auseinandersetzung hilft den Zivilschützern, sich auf den Umgang mit körperlich oder psychisch eingeschränkten BewohnerInnen der Altersheime oder Personen in einem Ernstfall vorzubereiten. Denn auch die zwischenmenschlichen Aspekte, welche bei der üblichen Arbeit der Pioniere mit schwerem Gerät stark in den Hintergrund rücken, spielen eine grosse Rolle. Denn das Bedienen eines Rollstuhls sowie das Führen einer blinden Person muss geübt sein und ist sowohl körperlich wie auch mental anspruchsvoll.

Trotz Kenntnisse der Anlage sind Blindenstock und Hände nötig, um sich im Raum zurecht zu finden.

Am Mittwoch und Donnerstag finden Ausflüge mit den Altersheimen sowie Tagesbeschäftigungen mit deren BewohnerInnen statt. Sowohl die Altersheime wie auch der Zivilschutz profitieren während der Zusammenarbeit voneinander: Während die Pflegeheime für soziale Aktivitäten zusätzliches Personal zur Verfügung stehen, erhalten die Zivilschützer wertvolle Praxiserfahrung. Zusätzlich erhalten die Zivilschützer vom Personal eine einstündige Lektion zu Themen wie der korrekten Mobilisation oder Personentransfer.